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MPU wegen Cannabis – was Sie wissen müssen
Seit den gesetzlichen Anpassungen liegt der THC-Grenzwert bei 1,0 ng/ml im Blutserum – unterschreiten Sie ihn nicht nachhaltig, droht die MPU. Wir erklären, welche Abstinenzfristen gelten, welche Fragen in der Begutachtung gestellt werden und wie Sie eine glaubwürdige Veränderung nachweisen.
1. Ausgangslage und Grenzwerte
Bereits ein einmaliger positiver Befund über 1,0 ng/ml aktives THC kann zum Entzug der Fahrerlaubnis führen. Bei wiederholtem Konsum oder Fahrt unter Wirkung ist der Nachweis einer stabilen Abstinenz zwingend. Für gelegentliche Konsumenten ohne Fahrt unter Einfluss kann unter Umständen eine kontrollierte Abstinenz akzeptiert werden – Voraussetzung ist eine lückenlose Dokumentation.
2. Geeignete Abstinenznachweise
Für Cannabis gilt: Mindestens zwölf Monate abstinente Lebensführung, nachgewiesen durch Haaranalysen (6 cm) oder Urinscreenings (mindestens sechs unvorhersehbare Termine). THC-COOH-Werte müssen unterhalb der Nachweisgrenze liegen. Achten Sie auf getestete Haarpflegeprodukte und verzichten Sie auf CBD-Produkte, da sie positive Befunde verursachen können.
3. Psychologische Kernthemen
- Konsumverlauf: Wie häufig, in welchen Situationen und mit welchen Substanzen haben Sie konsumiert?
- Auslöser: Welche Gefühle, Personen oder Orte waren mit dem Konsum verbunden?
- Kontrollverlust: Gab es Situationen, in denen Sie trotz Vorsatz weiter konsumierten?
- Zukunftsstrategien: Wie stellen Sie sicher, dass der Konsum nicht wieder aufgenommen wird?
Bereiten Sie zu jedem Punkt Beispiele aus Ihrem Alltag vor. Beschreiben Sie konkret, was Sie gelernt haben und welche Schritte Sie heute gehen, um Versuchungen zu widerstehen.
4. Medizinische Aspekte
Bei langfristigem Konsum kann das Endocannabinoid-System verändert sein. Lassen Sie sich medizinisch begleiten, um psychische oder physische Begleiterscheinungen zu behandeln. Schlafprobleme oder Stimmungsschwankungen sollten Sie aktiv ansprechen – sie zeigen, dass Sie den Prozess ernst nehmen und Unterstützung nutzen.
5. Umgang mit Legalisierungsdiskussionen
Auch bei einer teilweisen Legalisierung bleibt das Fahren unter Einfluss verboten. Unterstreichen Sie, dass Sie zwischen privatem Konsum und Verkehrssicherheit unterscheiden und im Zweifel vollständig verzichten. Eine klare Haltung wirkt überzeugender als Hinweise auf politische Debatten.
Fragen, die Gutachter:innen häufig stellen
- „Welche Rolle spielte Cannabis in Ihrem Alltag?“
- „Wie reagieren Sie heute, wenn Freunde konsumieren?“
- „Welche Warnsignale zeigen Ihnen, dass alte Muster zurückkehren?“
- „Wie dokumentieren Sie Ihre Abstinenz und wer unterstützt Sie?“