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Praxis

Wie funktioniert der Abstinenznachweis?

Lesedauer: 7 Minuten

Ohne Abstinenznachweise bleibt vielen MPU-Kandidat:innen die positive Prognose verwehrt. Der Prozess wirkt komplex – dabei genügt ein klarer Plan aus Verfahren, Fristen und Dokumentation. Wir erläutern, wie Sie lückenlose Nachweise für Alkohol- und Drogenfragestellungen aufbauen.

1. Rechtliche Grundlage

Begutachtungsstellen orientieren sich an den CTU-Kriterien (Chemisch-Toxikologische Untersuchungen). Für Alkohol werden in der Regel 6–12 Monate Abstinenz verlangt, für illegalisierte Substanzen mindestens 12 Monate – abhängig von der Vorgeschichte. Die Nachweise müssen von akkreditierten Laboren stammen, sonst erkennt die Begutachtungsstelle sie nicht an.

2. Testverfahren im Überblick

Verfahren Einsatzbereich Vorteile Herausforderungen
EtG-Urinscreening Alkohol, kurzfristige Drogenkontrolle Spontane Termine, kostengünstig Hoher Organisationsaufwand, schnelle Anreise nötig
Haaranalyse Alkohol (EtG im Haar), Drogen Wenige Termine, guter Langzeitüberblick Mindesthaarlänge, Verzicht auf bestimmte Pflegeprodukte
Leberwerte & Screening Ergänzend bei Alkohol Medizinische Verlaufsdokumentation Nicht als alleiniger Abstinenznachweis gültig

3. Planung der Termine

Beginnen Sie frühzeitig, idealerweise sofort nach dem Entzug der Fahrerlaubnis. Bei Urinprogramm registriert Sie das Labor und ruft Sie zufällig an – innerhalb von 24 Stunden müssen Sie erscheinen. Planen Sie daher flexible Arbeits- oder Betreuungszeiten ein. Für Haaranalysen wählen Sie feste Entnahmetermine alle drei Monate.

Wichtig: Halten Sie Terminverschiebungen schriftlich fest und lassen Sie sich Ersatztermine bestätigen. So können Sie bei der MPU belegen, dass keine Lücken entstanden sind.

4. Kosten und Finanzierung

Je nach Region und Labor variieren die Kosten: EtG-Urinscreenings liegen zwischen 80 und 130 Euro pro Probe, Haaranalysen zwischen 150 und 250 Euro. Kalkulieren Sie den Gesamtbetrag und legen Sie Rücklagen an. Manche Jobcenter oder Arbeitgeber unterstützen, wenn der Führerschein beruflich notwendig ist.

5. Dokumentation und Nachweismappe

Sammeln Sie alle Befunde geordnet in einer Mappe: Entnahmeprotokolle, Laborberichte, Rechnungen, Bestätigungen von Ersatzterminen. Ergänzen Sie eine Tabelle mit Datum, Uhrzeit, Ansprechpartner:in und Besonderheiten. Eine gut gepflegte Dokumentation signalisiert Verlässlichkeit und erleichtert das Gespräch mit dem Gutachter.

6. Kombination mit therapeutischen Maßnahmen

Abstinenznachweise allein reichen selten aus. Ergänzen Sie sie durch Beratungsgespräche, Therapie oder Selbsthilfegruppen und dokumentieren Sie auch diese Schritte. So zeigen Sie, dass die Abstinenz Teil eines Gesamtplans ist – nicht nur eine reine Formalität.

Ihr persönlicher Fahrplan

  1. Analyse der Anforderungen (Dauer/Substanz) mit einer MPU-Beratung
  2. Auswahl eines akkreditierten Labors und Vertragsabschluss
  3. Terminplanung inkl. Ersatzstrategien und Urlaubsplanung
  4. Aufbau Ihrer Nachweismappe mit digitalen Backups
  5. Regelmäßige Reflexion im Coaching oder Tagebuch